01.10.2026

Rede von Jülide Kazan

Unsere Schülerin Jülide Kazan (9c) hat bei der Aktion „augen auf!  Steinfurt! eine bemerkenswerte Rede gehalten. Wir veröffentlichen Sie an dieser Stelle:

Guten Tag meine Damen und Herren und herzlich willkommen. Ich bin Jülide Kazan, Schülerin der Realschule Burgsteinfurt.

Ich war 6 Jahre alt, als eine fremde Frau mir sagte, dass ich nicht hier hin gehöre, dass ich falsch sei und unerwünscht bin… als ich 10 war, bekam ich Sprüche von wegen ich sei nicht Deutsch, was ist das denn da auf ihrer Oberlippe ekel sieht aus wie ein Junge. Und mit 13 fragte man mich im Kleidergeschäft „möchtest du das wirklich tragen?“ Und genau das haben Tausende Menschen erlebt und erleben es tagtäglich immer noch, wie auch ich leider damit Erfahrung gemacht habe. Diskriminierung, Rassismus und Hate speech sind große Probleme, gegen die nicht genug getan wird. Es ist traurig, dass Menschen mit einer dunkleren Hautfarbe immer noch diskriminiert werden. Grundschulkinder werden aufgrund der Hautfarbe / Herkunft vom Spielen ausgeschlossen. Die Spuren der Vergangenheit sind überdeutlich spürbar. Rassentrennung nannten sie es damals, als ob Menschen, die einfach anders aussehen, Tiere wären. Schämen sollte man sich. Es macht uns Menschen aus, anders auszusehen; macht uns besonders, etwas zu haben, was andere nicht haben. Schämen sollte sich die Welt jetzt mit den Mitteln, die wir haben. Wir haben mehr Mittel auf der Welt denn je und schaffen es nicht einmal, Chancengleichheit und Gerechtigkeit für unsere Mitmenschen zu gewinnen.

Martin Luther King hat mich inspiriert und sollte auch Jeden einzelnen von Ihnen inspirieren. Er stellte sich vor über 250.000 Menschen hin und kämpfte um die damaligen Rechte der Afroamerikaner. Der Spruch „I have a dream“ ist nicht nur ein Spruch, sondern repräsentiert die Wünsche all derer, die keine Chance hatten zu protestieren, die keine andere Wahl hatten, als es sich von den Menschen gefallen zu lassen. Martin Luther King sprach für eine ganze Nation, und das mache ich heute gerade in diesem Moment: Auch stehe ich für Leute ein, die keine Chance haben. Diskriminierung, Rassismus und Hate Speech sind kein Spaß. Überall auf der Welt gibt es Probleme, aber wir müssen anfangen etwas zu ändern.

Martin Luther King sagte einst: „Ich habe einen Traum, dass meine vier Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird.“ Das war im Jahr 1963, das ist 63 Jahre her  und wir haben immer noch dasselbe Problem. Erwachsene Menschen, die aus einem anderen Land kommen oder eine dunklere Hautfarbe haben, bekommen nicht die Jobs, die eine hellhäutige Person bekommt, was in vielen Betrieben die harte Realität ist. Herkunft, Sprache, Religion – das alles ist nicht wichtig. Dieser ganze Hass ist völlig unberechtigt. Menschen geben Einwanderern / Dunkelhäutigen die Schuld für eine höhere Kriminalität in Deutschland oder Straftaten wie auch Diebstahl. Wenn es einer von vielen macht, kann man dafür nicht eine ganze Nation verachten, hassen, beleidigen. Deutsche begehen auch Straftaten, sollen die anderen Menschen uns alle jetzt auch hassen oder unsere Nation verachten?

Ich habe euch einen Traum: „Ich hoffe auf Chancengleichheit für diejenigen, die keine Stimme haben.“

Ich bin auch eine deutsche Bürgerin mit Migrationshintergrund, aber ich bin mir sicher:

„Ich habe einen Traum: Dass Kinder, Kinder sein dürfen, ohne sich fragen zu müssen, ob sie wegen ihres Aussehens falsch sind.“

Ich habe noch einen Traum: „Dass Leute nicht für etwas verurteilt werden, was sie nicht in der Hand haben.“

Zitat von Margot Friedländer: „Es gibt keine anderen Menschen, es gibt keine Rasse, es gibt keine Andersartigkeit, wir sind alle gleich. Seid Menschen“, sagte einmal Margot Friedländer, eine jüdische Frau, die bemerkenswerte Frau, die den Holocaust überlebt hat. Also bitte ich Sie alle hier, die heute mit mir erschienen sind: Seien Sie Menschen! Helfen Sie dabei, die Welt für Jeden ein Stück zu verbessern. Wir alle haben Charakter, Persönlichkeit, Talente, Vorstellungen, Visionen und Träume, deshalb habe ich noch einen letzten Traum:

Mein letzter Traum umfasst alle Menschen, dessen Stimme verboten und getötet wurde.

Mein Traum ist, dass Menschen mit einer Stimme hinsehen und ihre Stimme für diejenigen einsetzen, die selbst keine Stimme haben.